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Biozid-Portal

Biozide sind im wörtlichen Sinn ("bios" = griechisch "Leben", "caedere" = lateinisch "töten") Substanzen, die Organismen vernichten. Eine Vielzahl von Produkten mit einer solchen bioziden Wirkung wird heutzutage verwendet. Zielorganismen können dabei Insekten, Nagetiere, Muscheln, aber auch Viren, Bakterien und Pilze sein. Sie wirken zum Beispiel darüber, dass sie das Nervensystem lähmen oder die Vermehrungsfähigkeit von Schadorganismen beeinträchtigen, was sie gleichzeitig auch potenziell gefährlich für Mensch und Umwelt macht. Abgesehen davon können durch Fehlanwendungen der Biozid-Produkte Resistenzen bei den Zielorganismen erzeugt werden.

Bereits 1989 wurde in der Europäischen Gemeinschaft daher beschlossen, eine Gemeinschaftsstrategie für das Inverkehrbringen und die Anwendung von Biozid-Produkten auszuarbeiten. Hintergrund waren die teilweise sehr unterschiedlichen Regelungen in den Mitgliedsstaaten. Außerdem hatte die Verwendung von Bioziden wiederholt zu Problemen geführt. Diese haben aber nur in Einzelfällen und erst nach Eintritt des Schadens Maßnahmen wie Verwendungsverbote nach sich gezogen. Nun sollte durch ein Zulassungsverfahren die Beweislast umgekehrt werden. Biozid-Produkte sollten erst dann in den Verkehr gebracht und verwendet werden, wenn eine zuständige Behörde festgestellt hat, dass durch deren Verwendung keine unannehmbaren Wirkungen für Mensch und Umwelt auftreten. Diese Anforderungen wurden dann in der Richtlinie 98/8/EG verankert, die 1998 in Kraft trat.

Das Biozid-Portal ist eine Internetseite der am Biozid-Verfahren beteiligten Behörden in Deutschland. Es bietet Informationen über den rechtlichen Rahmen beispielsweise für die Vermarktung von Biozid-Produkten. Sie erhalten hier Hintergrundinformationen zu verkehrsfähigen Biozid-Wirkstoffen und Tipps, wie Sie als Verbraucher im Alltag Biozid-Produkte ersetzen oder die Einsatzmenge zumindest reduzieren können. Sie können sich über mögliche Schädlinge informieren und über die Maßnahmen und Produkte, mit denen diese vermieden werden können.

Folgende deutsche Behörden sind am Biozid-Verfahren beteiligt:

Der Fachbereich 5 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)

Die BAuA ist im Chemikaliengesetz als Zulassungsstelle für Biozide benannt. Als solche ist der Fachbereich 5 der BAuA für die Durchführung der Kernverfahren der Biozid-Richtlinie zuständig:

  • Der Aufnahme eines Biozid-Wirkstoffs in eine "Positivliste"
  • Der Zulassung, Registrierung und gegenseitigen Anerkennung eines Biozid-Produktes

Darüber hinaus koordiniert die Zulassungsstelle die Verfahren, beurteilt die Vollständigkeit und Plausibilität der eingereichten Unterlagen, bewertet sowohl die chemische Identität und die physikalisch-chemischen Eigenschaften als auch in vielen Fällen die Wirksamkeit.

Auf der Internetseite der Zulassungsstelle finden Sie Hintergrundinformationen zu allen zugelassenen Biozid-Produkten sowie zu den darin enthaltenen Wirkstoffen. Sie finden Hinweise, zum rechtlichen Rahmen des Biozid-Verfahrens und dazu, wie Sie für die Zulassung eines Biozid-Produktes oder die Aufnahme eines Wirksstoffs in eine "Positivliste" vorgehen können. Außerdem wird Ihnen die Seite eine Auswahl von Alternativen zum Einsatz von Biozid-Produkten und zu Forschungsvorhaben zum Thema Biozid-Produkte bieten.

Der Fachbereich 4 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)

Aufgabe des Fachbereichs 4 "Gefahrstoffe und biologische Arbeitsstoffe" ist die Bewertung biozider Wirkstoffe und die Zulassungen von Biozid-Produkten unter Arbeitsschutzaspekten. Sie umfasst die Bewertung von Risiken (Exposition, Toxikologie) für berufliche Anwender bei der Handhabung und die Festlegung von Maßnahmen für den sicheren Umgang am Arbeitsplatz.

Im Rahmen dieser Arbeit wurden und werden durch den Fachbereich verschiedene Forschungsprojekte durchgeführt. Untersucht werden dabei die ordnungsgemäße Verwendung, Einhaltung der guten fachlichen Praxis und geeignete Schutzmaßnahmen.

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

Das BfR ist als Einvernehmensbehörde zuständig für die gesundheitliche Risikobewertung von Biozid-Produkten und deren Wirkstoffen. Nach dem Biozidgesetz wurden dem BfR folgende Aufgaben im Rahmen der Risikobewertung übertragen:

  • Beurteilung unannehmbarer Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch oder Tier unter Berücksichtigung einer Exposition über Trinkwasser, Nahrungs- oder Futtermittel, sowie Luft in Innenräumen, einschließlich der

    • Gefahrenabschätzung (toxikologisches Wirkprofil und Dosis-Wirkungsbeziehungen von Stoffen und Produkten mit Ableitung von Grenzwerten).
    • Expositionsabschätzung (erwartbare und gegebenenfalls tolerierbare Rückstände besonders im Trinkwasser, in Nahrungs- oder in Futtermitteln sowie in der Luft von Innenräumen)
    • Risikocharakterisierung (Abschätzung des gesundheitlichen Risikos für Verbraucher, beispielsweise Verwender von Biozid-Produkten, und über die Umwelt exponierte Personengruppen)
  • Bewertung von Analysenmethoden für Wirkstoffe und andere toxikologisch signifikante Rückstände für die Überwachung der zugelassenen Verwendung von Biozid-Produkten.
  • Beurteilung unannehmbarer Auswirkungen auf Zielorganismen, einschließlich der

    • Erzeugung von unannehmbaren Resistenzen oder Kreuzresistenzen und der
    • Verursachung vermeidbarer Leiden oder Schmerzen bei Wirbeltieren.

Das Umweltbundesamt (UBA)

Das UBA ist im Chemikaliengesetz als Einvernehmensbehörde im Zulassungsverfahren von Biozid-Produkten und im Verfahren zur Prüfung von Biozid-Wirkstoffen benannt. In dieser Zuständigkeit bewertet das UBA die

  • Wirkungen von Bioziden auf die Umwelt unter Berücksichtigung der spezifischen Verwendung und entwickelt Maßnahmen zur Risikominderung und nachhaltigen Minimierung des Biozideinsatzes.
  • Darüber hinaus übernimmt das UBA für spezifische Biozid-Produktarten (Insektizide/Akarizide, Nagetierbekämpfungsmittel, Repellentien, Trinkwasser- sowie Schwimm-und Badebeckenwasserdesinfektionsmittel) die Bewertung der Wirksamkeit.

Auf der Internetseite des UBA finden Sie Informationen

  • über die Wirkungen von Bioziden auf die Umwelt sowie
  • zu vorbeugenden und alternativen Maßnahmen zur Minimierung des Biozid-Einsatzes,
  • zu Leitfäden für die Umweltprüfung und Bewertungskonzepte,
  • zu Forschungsvorhaben, Fachbeiträgen und
  • Hinweise auf wichtige Veranstaltungen zum Thema Biozide.

Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)

Die BAM ist als Bewertungsstelle im Vollzug vom Biozidgesetz nach § 12j Absatz 2 Chemikaliengesetz (ChemG) zuständig für die Bewertung der Wirksamkeit von Bioziden im Materialschutz. Darüber hinaus wird im Auftrag der Zulassungsstelle Biozide

  • die Dossierbearbeitung zu ausgewählten physikalisch-chemischen Eigenschaften (sicherheitstechnische Kenngrößen), zur Verpackung und zu Emissionen in Verbindung mit Unfallfeuer übernommen, sowie
  • die Erstellung von Gesamtberichten und redaktionelle Beteiligung an den Bewertungen für die Zulassungsstelle Biozide in Dortmund, der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) in Helsinki und der EU-Kommission in Brüssel erfüllt.

Die BAM nimmt Aufgaben zur Umweltverträglichkeit gegenüber Bundesregierung und nationalen sowie internationalen Gremien / Unternehmen wahr. Dazu gehören die Bewertung von Stoffen, Gemischen, Erzeugnissen und Verfahren unter Umweltaspekten sowie die Erstellung von Obergutachten und Stellungnahmen zu Studien von Dritten.

Auf der Biozid-Seite der BAM finden Sie insbesondere Hintergrundinformationen zu Fragen des Materialschutzes durch Biozide.