Biomonitoring bei Beschäftigten

Beschäftigte, die an ihren Arbeitsplätzen Gefahrstoffen ausgesetzt sind, können diese als Schadstoffe in ihren Körper aufnehmen. Solche Stoffaufnahmen werden mittels Biomonitoring untersucht und bewertet.

© Uwe Völkner, Fotoagentur FOX

Biomonitoring ermöglicht das Erkennen individueller Belastungen und trägt zur Beurteilung der Arbeitsbedingungen und zur Überprüfung der Wirksamkeit von Arbeitsschutzmaßnahmen bei. Ziel ist die Prävention von Gesundheitsschäden durch chemische Substanzen.

Ermittlung der aktuellen tätigkeitsbedingten Bleiexposition von Beschäftigten

Deckblatt des Berichtes "Ableitung geeigneter Methoden des Biomonitorings zur Ermittlung der aktuellen tätigkeitsbedingten Bleiexposition von Beschäftigten"
Ableitung geeigneter Methoden des Biomonitorings zur Ermittlung der aktuellen tätigkeitsbedingten Bleiexposition von Beschäftigten

Im Projekt F 2510 untersuchte die BAuA neue Ansätze des Biomonitorings, um die aktuelle berufliche Bleiexposition präziser zu erfassen. Da der klassische Blutbleiwert kurzfristige Belastungsänderungen nur bedingt abbildet, wurden alternative Parameter sowie inhalative und dermale Einflüsse analysiert. Der BAuA-Bericht zeigt, dass die Bestimmung von Blei im Urin sowie spezifische Messquotienten vielversprechende Ansätze bieten, die Datenbasis für eine abschließende Bewertung jedoch noch verbreitert werden muss. Die Ergebnisse liefern wichtige Impulse für Arbeitsschutz, Vorsorge und die Umsetzung neuer EU-Grenzwerte.

Bestandteil der Arbeitsmedizin

Der Einsatz eines Biomonitorings erfordert gefahrstoffspezifische Kenntnisse sowie konkrete Einblicke in die Arbeitssituation der zu Untersuchenden. Ebenfalls zu berücksichtigen sind individuelle Faktoren, die die Stoffaufnahme und die sich damit ergebenden Belastungen und Gefährdungen beeinflussen können. Verantwortlich für das Biomonitoring bei Beschäftigten sind die Betriebsärzte.

Biomonitoring als Methode der Arbeitsmedizin

Der Begriff des Biomonitorings wird sowohl in der Arbeits- und Umweltmedizin, als auch in der Umweltbeobachtung und Ökologie verwendet. Im Folgenden wird Biomonitoring im arbeitsmedizinischen Kontext definiert und vom Begriff des Human-Biomonitorings abgegrenzt.

Was ist Biomonitoring?

Der Ausschuss für Arbeitsmedizin (AfAMed) beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) gibt auf Grundlage der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) in der Arbeitsmedizinischen Regel "Biomonitoring" (AMR 6.2) folgende Begriffsbestimmung:

"Biomonitoring ist die Untersuchung biologischen Materials der Beschäftigten zur Bestimmung von Gefahrstoffen, deren Metaboliten oder deren biochemischen beziehungsweise biologischen Effektparametern. Dabei ist es das Ziel, die Belastung und die Gesundheitsgefährdung von Beschäftigten zu erfassen, die erhaltenen Analysewerte mit entsprechenden Werten zur Beurteilung […] zu vergleichen und geeignete Maßnahmen vorzuschlagen, um die Belastung und die Gesundheitsgefährdung zu reduzieren. Die Erkenntnisse aus dem Biomonitoring können eine wichtige Informationsquelle zur Beurteilung der Wirksamkeit vorhandener Schutzmaßnahmen sein."

© Uwe Völkner, Fotoagentur FOX

Die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V. (DGAUM) definiert den Begriff in ihrer Arbeitsmedizinischen Leitlinie "Biomonitoring" (2013) wie folgt:

"Unter Biomonitoring versteht man in der Arbeitsmedizin die Untersuchung biologischen Materials von Beschäftigten zur quantitativen Bestimmung von Gefahrstoffen, deren Metaboliten oder von biochemischen bzw. biologischen Parametern. Dabei ist es das Ziel, die Belastung der Beschäftigten oder spezifische biologische Effekte zu erfassen, die erhaltenen Analysenwerte mit biologischen Beurteilungswerten zu vergleichen und ggf. geeignete Maßnahmen (Verbesserung der technischen, organisatorischen und persönlichen Prävention) vorzuschlagen, um die Belastung und die Gesundheitsgefährdung zu reduzieren. Für viele Gefahrstoffe ist die individuell aufgenommene Belastung nur mittels Biomonitoring quantifizierbar und damit bewertbar."

Nach § 6 Abs. 2 der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) ist Biomonitoring wiederum ein "Bestandteil der arbeitsmedizinischen Vorsorge, soweit dafür arbeitsmedizinisch anerkannte Analyseverfahren und geeignete Werte zur Beurteilung zur Verfügung stehen."

Die Arbeitsmedizinische Regel "Biomonitoring" konkretisiert die ArbmedVV:

"Über Indikation und Art des Biomonitorings entscheidet der nach § 7 ArbMedVV beauftragte Arzt oder die beauftragte Ärztin. Der Arzt oder die Ärztin hat die Erkenntnisse aus dem Biomonitoring auszuwerten. Die Erkenntnisse können unter Wahrung der ärztlichen Schweigepflicht in die Gefährdungsbeurteilung des Arbeitgebers einfließen."

Was ist Human-Biomonitoring?

Beim Human-Biomonitoring werden ähnliche Methoden wie im arbeitsmedizinischen Biomonitoring eingesetzt. So werden ebenfalls Belastungen von Menschen mit chemischen Stoffen erfasst und durch chemische Substanzen verursachte biologische Effekte gemessen. Jedoch unterscheiden sich die Einsatzbereiche und Zielsetzungen.

Die Kommission "Human-Biomonitoring" des Umweltbundesamtes definiert drei Einsatzbereiche des Human-Biomonitorings

  1. gezielte Untersuchung einzelner Personen, die einer Belastung durch Schadstoffe oder
    biologische oder physikalische Einflüsse ausgesetzt sind oder bei denen eine solche
    Belastung vermutet wird;
  2. quantitative Erfassung der inneren Schadstoffbelastung von ausgewählten Personen oder
    Bevölkerungsgruppen im Rahmen von epidemiologischen Studien;
  3. Untersuchungen zur Erkennung von Entwicklungstrends bzgl. der Belastung des Menschen
    durch Schadstoffe oder biologische und physikalische Faktoren in bestimmten Gebieten.

Die zu betrachtenden Schadstoffe entstammen hier jedoch nicht einer beruflichen Exposition der Untersuchten, sondern ihrer allgemeinen Lebensumwelt.

Anwendung und Entwicklung von Biomonitoring-Verfahren in der BAuA

Die BAuA nutzt Biomonitoring zur Erforschung aktueller Belange rund um Gefahrstoffexpositionen Beschäftigter. Hierzu entwickelt sie bei Bedarf neue Analysenmethoden und leistet Beiträge zum leichteren Einsatz von Biomonitoring in der betrieblichen Praxis.

Hinweis in eigener Sache: Betriebe für Studie gesucht - machen Sie mit!

Schimmelpilze können an Arbeitsplätzen, an denen sich organisches Material wie Heu oder Getreide befindet, sowie in Tierhaltungen giftige Stoffwechselprodukte, sogenannte Mykotoxine, freisetzen. Diese gelangen über die Luft in den Körper und können bereits in geringen Mengen gesundheitsschädlich wirken. Im Forschungsprojekt F 2575 "Erfassung der Mykotoxinexposition von Beschäftigten am Arbeitsplatz und deren Auswirkungen auf die Atemwege" untersucht die BAuA erstmals umfassend das Vorkommen und die Wirkung dieser Schadstoffe.

Mykotoxine am Arbeitsplatz - ein unterschätztes Risiko?

Betriebe gesucht: Studie zur Schimmelpilzbelastung in Futtermittelbetrieben und Tierhaltungsanlagen
Für die Durchführung der Studie suchen wir aktuell Betriebe, insbesondere aus den Bereichen Tierhaltung und Futtermittellagerung. Durch Ihre Beteiligung leisten Sie einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung des Arbeitsschutzes in Ihrer Branche.

Interessiert?

Der Studienflyer liefert weitere Informationen zur Teilnahme. Sie können uns auch direkt unter mykotoxine@baua.bund.de kontaktieren.

Zum Thema

Hier bieten wir Ihnen nützliche Arbeitshilfen und Materialien für den Praxisalltag im Umgang mit Gefahrstoffen.

Termine

12. Workshop "Biomonitoring in der Praxis"

Erscheinungstyp:  Workshop, Berlin

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01. Dezember 2026

Forschungsprojekte

ProjektnummerF 2608 StatusLaufendes Projekt Realisierbarkeit von arbeitsplatzbezogenen Erhebungen und Auswertungen von Biomonitoring-Messwerten zur Einschätzung von Gefahrstoffexpositionen

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Forschung laufend

ProjektnummerF 2576 StatusLaufendes Projekt Erfassung der Mykotoxinexposition von Beschäftigten am ­Arbeitsplatz und deren Auswirkungen auf die Atemwege - Projekt 2

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Forschung laufend

ProjektnummerF 2575 StatusLaufendes Projekt Erfassung der Mykotoxinexposition von Beschäftigten am Arbeitsplatz und deren Auswirkungen auf die Atemwege - Projekt 1

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Forschung laufend

ProjektnummerF 2523 StatusLaufendes Projekt Biomonitoring homöostatisch regulierter Metalle - Manganexposition durch Schweißrauche

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Forschung laufend

ProjektnummerF 2537 StatusLaufendes Projekt Biomonitoring in der Ausatemluft und Effektmonitoring beruflich Styrol-Exponierter

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Forschung laufend

ProjektnummerF 2510 StatusAbgeschlossenes Projekt Ableitung geeigneter Methoden des Biomonitorings zur Ermittlung der aktuellen tätigkeitsbedingten Bleiexposition von Beschäftigten

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Forschung abgeschlossen

ProjektnummerF 2379 StatusAbgeschlossenes Projekt Verwendung von Trichlorethen in geschlossenen technischen Systemen - Biomonitoring der Systembediener und Bystander

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Forschung abgeschlossen

ProjektnummerF 2470 StatusAbgeschlossenes Projekt Biomonitoring bei beruflicher Exposition gegenüber Mykotoxinen

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Forschung abgeschlossen

ProjektnummerF 2400 StatusAbgeschlossenes Projekt Biomonitoring beruflich Styrol-Exponierter: Feldstudie zur Nutzbarkeit von Ausatemluft

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Forschung abgeschlossen

ProjektnummerF 2344 StatusAbgeschlossenes Projekt Pilotprojekt zur Erfassung der Antibiotika­exposition von Beschäftigten in der Tierhaltung mit Biomonitoring­methoden

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Forschung abgeschlossen

ProjektnummerF 2053 StatusAbgeschlossenes Projekt Messung von Hautbelastungen durch chemische Stoffe bei der Imprägnierung mit Holzschutzmitteln

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Forschung abgeschlossen

ProjektnummerF 2430 StatusAbgeschlossenes Projekt Metabolismus-Studie zur Gewinnung toxikokinetischer Daten für die Beurteilung von Stoffaufnahmewegen am Beispiel von Enrofloxacin

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Forschung abgeschlossen

Publikationen

Ausgewählte Publikationen zum Thema Biomonitoring.

Berichte

Ableitung geeigneter Methoden des Biomonitorings zur Ermittlung der aktuellen tätigkeitsbedingten Bleiexposition von Beschäftigten

Erscheinungsjahr: 2025

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Arbeitsplatzbelastungen bei der Verwendung von bioziden Produkten - Teil 4

Erscheinungsjahr: 2009

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baua: Fokus

Kriterien für die Einhaltung biologischer Beurteilungswerte nach der OECD-Biomonitoring-Leitlinie

Erscheinungsjahr: 2025

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Eine Analysen­methode zur Bestimmung von Styrol in Ausatem­luft für ein Biomonitoring beruflich Styrol-Exponierter

Erscheinungsjahr: 2021

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Ein Analysenverfahren zur Bestimmung von Furan in Ausatemluft für ein Biomonitoring Furan-Exponierter

Erscheinungsjahr: 2024

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Biomonitoring im Arbeitsschutz

Erscheinungsjahr: 2019

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Aufsätze

Beryllium im Urin als Indikator einer beruflichen Berylliumbelastung

Erscheinungsjahr: 2018

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Biomonitoring in Ausatemluft am Beispiel Tetrachlorethen-Exponierter

Erscheinungsjahr: 2014

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Bewertung von Biomonitoring-Ergebnissen

Erscheinungsjahr: 2018

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Das Biomonitoring-Auskunftssystem erleichtert Recherchen

Erscheinungsjahr: 2024

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Determination of trace elements in urine by inductively coupled plasma-tandem mass spectrometry - Biomonitoring of adults in the German capital region

Erscheinungsjahr: 2021

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MAK Commission: Mykotoxine – Bestimmung von Aflatoxinen, Ochratoxin A, freiem Ochratoxin α, Gliotoxin, Citrinin und Dihydrocitrinon in Urin mittels LC-MS/MS

Erscheinungsjahr: 2025

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MAK Commission: Furan - Bestimmung von Furan in Ausatemluft mittels GC-MS/MS

Erscheinungsjahr: 2024

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Quecksilberbelastung durch ausgesonderte Energiesparlampen in kommunalen Sammelstellen

Erscheinungsjahr: 2016

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Zur Exposition in der Klauenpflege bei Antibiotikaapplikation im Sprühverfahren

Erscheinungsjahr: 2018

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Trace Analysis in End-Exhaled Air Using Direct Solvent Extraction in Gas Sampling Tubes: Tetrachloroethene in Workers as an Example

Erscheinungsjahr: 2014

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Human biomonitoring of deoxynivalenol (DON) - Assessment of the exposure of young German adults from 1996 - 2021

Erscheinungsjahr: 2023

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MAK Commission: Mykotoxine – Bestimmung von Deoxynivalenol und Deepoxydeoxynivalenol in Urin mittels LC-MS/MS

Erscheinungsjahr: 2025

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