Arbeitssysteme menschengerecht gestalten

Menschengerechte und gesundheitsförderliche Arbeit bedeutet, die konkrete Arbeitsgestaltung vor Ort in den Blick zu nehmen. Im Fokus der BAuA stehen besonders die Chancen und Risiken neuer Technologien, Arbeitsformen und Arbeitsorte sowie physische und psychosoziale Belastungen. Ein Schwerpunkt liegt auf der integrierten Gestaltung von Arbeitstätigkeiten, Technik und Organisation, insbesondere an der Schnittstelle zwischen Mensch und Technik.

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Technisch-organisatorische Arbeitssysteme

Wie können KI- und Assistenztechnologien Arbeitssysteme sicherer, effizienter und menschengerechter machen? Die BAuA betrachtet bei dieser Frage sowohl die Vertrauenswürdigkeit von KI als auch die psychologischen Mechanismen, die das Vertrauen der Beschäftigten in intelligente Systeme beeinflussen. Physische und kognitive Assistenzsysteme, darunter robotische Systeme und XR-Technologien, werden daraufhin analysiert, wie sie Arbeitsqualität, Sicherheit und Effizienz unterstützen können, ohne Entscheidungsfreiheit und Situationsbewusstsein der Mitarbeitenden einzuschränken. Zudem nutzt die BAuA digitale Modellierungs- und Simulationsverfahren wie digitale Zwillinge im Industrial Metaverse, um komplexe Arbeitssituationen zu bewerten, Prozesse in Echtzeit zu analysieren und Arbeitsumgebungen ergonomisch und zukunftssicher zu gestalten.

Forschungsprojekte

Arbeitsorte und Umgebungsfaktoren

Unterschiedliche Arbeitsorte und -umgebungen bringen spezifische Chancen und Risiken für Beschäftigte mit sich. Im Homeoffice stehen ergonomische Gestaltung, soziale Isolation, Konflikte zwischen Beruf und Privatleben sowie virtueller Präsentismus im Fokus, während gleichzeitig Ressourcen wie soziale Unterstützung genutzt werden können. Auch ortsflexibles und hybrides Arbeiten in Pflege, Handwerk oder Beratung wird auf gesundheitsbezogene Folgen untersucht, ebenso wie aktivitätsbasierte Bürokonzepte.

Die BAuA analysiert Lichtwirkungen, Lärm und Raumklima, um Arbeitsplätze gesundheitsförderlich zu gestalten. Dazu zählen Tageslicht, künstliche Beleuchtung, Geräuschemissionen und Infektionsschutzmaßnahmen. In der Landwirtschaft werden Langzeitstudien durchgeführt, um die Auswirkungen tierwohlgerechter Haltungsformen auf Bioaerosole und Gefährdungen für Beschäftigte zu erfassen. Schutzmaßnahmen für Außentätigkeiten werden angesichts des Klimawandels weiterentwickelt, um steigende Temperaturen, Hitzewellen, Sonnenbelastung sowie Allergene und vektorübertragene Erreger zu berücksichtigen. Ziel ist es, Arbeitsumgebungen so zu gestalten, dass sie sicher, gesund und langfristig tragfähig bleiben, unter Nutzung innovativer Technologien und unter Berücksichtigung spezifischer Bedürfnisse aller Beschäftigtengruppen.

Forschungsprojekte

Arbeitszeit

Die Forschung zur Arbeitszeit betrachtet die Auswirkungen flexibler Modelle auf Gesundheit, Wohlbefinden sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Sowohl Arbeitszeitverkürzungen als auch -verlängerungen sowie lebensphasenspezifische Arbeitszeiten werden untersucht, um potenzielle Risiken zu erkennen und evidenzbasierte Gestaltungsempfehlungen abzuleiten. Auch atypische Arbeitszeiten wie Schichtarbeit oder Rufdienste stehen im Blick, ebenso wie die Wirkung von Pausen, Ruhezeiten und Schlaf auf Regeneration und Leistungsfähigkeit. Die BAuA begleitet gesetzliche und regulatorische Entwicklungen, unterstützt die Umsetzung bestehender Vorschriften und arbeitet eng mit den Aufsichtsbehörden der Länder zusammen, um praxisgerechte, gesundheitsförderliche Arbeitszeitlösungen zu fördern.

Forschungsprojekte

Psychosoziale Arbeitsbedingungsfaktoren

Mit der Zusammenarbeit in Organisationen und der Arbeit an und mit Menschen sind psychosoziale Herausforderungen verbunden. Schwerpunkte in der Forschung der BAuA liegen auf der Prävention von Belästigung, Gewalt und Mobbing sowie auf der Förderung eines sicheren, respektvollen Arbeitsumfelds. Auch die psychosozialen Folgen der Digitalisierung, des Einsatzes von Algorithmen und KI sowie der virtuellen Zusammenarbeit werden untersucht, um das Wohlbefinden, die soziale Interaktion und die Resilienz der Beschäftigten zu stärken. Betriebe werden als soziale Orte betrachtet, an denen Führung, Raumgestaltung und Präsenzregelungen eine zentrale Rolle spielen. Die BAuA erarbeitet evidenzbasierte Empfehlungen zum Umgang mit psychischen Belastungen, beteiligt sich am europäischen Monitoring und der europäischen Mental-Health-Kampagne und unterstützt die inklusive Gestaltung technischer Systeme zur Reduzierung von Belastungen.

Forschungsprojekte

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